Was hilft gegen Panikattacken?
Im Akutmoment hilft, langsam auszuatmen, den Körper zu erden und sich klarzumachen, dass eine Panikattacke unangenehm, aber nicht gefährlich ist. Sie erreicht meist nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und klingt dann von selbst wieder ab. Damit Panikattacken dauerhaft seltener werden, hilft eine gezielte Behandlung, oft mit Verhaltenstherapie. Seit 2020 gibt es für Angst und Panik eine App auf Rezept, eine sogenannte DiGA, die die gesetzliche Krankenkasse nach § 33a SGB V voll bezahlt.
Eine Panikattacke fühlt sich lebensbedrohlich an, ist es aber nicht. Der Körper schaltet in einen Alarmmodus, der von selbst wieder abschaltet.
Sofort helfen langsames Ausatmen, Erdung über die Sinne und ruhige Selbstansprache. Das nimmt der Attacke die Spitze.
Damit es seltener passiert, braucht es mehr als Soforthilfe. Verhaltenstherapie und begleitende Selbsthilfe wirken gut gegen Panikstörungen.
Wichtig: einmal ärztlich abklären lassen, ob wirklich eine Angststörung dahintersteckt. Danach kann die Kasse eine passende App auf Rezept voll übernehmen.
Diese Seite geht der Reihe nach durch, was im Akutmoment wirklich hilft, was du nachts und als Partner tun kannst und wie du wiederkehrende Panikattacken behandeln lassen und besser bewältigen kannst. Was die gesetzliche Krankenkasse übernimmt, steht weiter unten.
Was hilft gegen Panikattacken sofort?
Eine Panikattacke ist eine plötzliche Welle aus Angst mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Enge in der Brust, Schwindel oder dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Das ist heftig, aber körperlich ungefährlich. Im Moment selbst helfen diese Schritte:
- Länger ausatmen als einatmen: zum Beispiel 4 Sekunden ein, dann 6 bis 8 Sekunden langsam aus. Das bremst den Alarm im Körper.
- Erden über die Sinne: Füße fest auf den Boden, dann fünf Dinge benennen, die du siehst, vier, die du hörst, drei, die du fühlst.
- Innerlich einordnen: Sag dir, das ist eine Panikattacke, sie ist unangenehm, aber nicht gefährlich, und sie geht gleich wieder vorbei.
- Nicht wegrennen: Wenn möglich, bleib in der Situation, bis die Welle abebbt. Flucht verstärkt langfristig die Angst vor der nächsten Attacke.
Atemübungen bei Panikattacken
Bei Panik atmen viele zu schnell und zu flach, das verstärkt Schwindel und Kribbeln. Eine einfache Übung: Atme durch die Nase ein, halte kurz, und atme dann betont lang durch den leicht gespitzten Mund aus, als würdest du eine Kerze langsam ausblasen ohne sie zu löschen. Fünf bis zehn solcher Atemzüge reichen oft, um den Körper herunterzufahren. Wenn du das im ruhigen Zustand übst, kannst du es im Ernstfall leichter abrufen.
Was tun bei Panikattacken nachts?
Nächtliche Panikattacken reißen dich aus dem Schlaf, oft mit Herzrasen und dem Gefühl, keine Luft zu bekommen. Auch hier gilt: Es ist der gleiche Alarmmodus, und er ist ungefährlich. Mach ein gedämpftes Licht an, setz dich auf, trink einen Schluck Wasser und nutze die lange Ausatmung. Vermeide es, sofort auf Puls oder Uhr zu starren, das hält den Kreislauf der Angst am Laufen. Wenn du wieder ruhiger bist, hilft oft eine kurze, langweilige Beschäftigung, statt sich zum Einschlafen zu zwingen.
Panikattacken was tun als Partner?
Als Partner musst du nichts reparieren. Deine Ruhe ist schon die halbe Hilfe.
- Ruhig bleiben und dableiben: Deine gelassene Präsenz signalisiert, dass keine echte Gefahr besteht.
- Langsam und kurz sprechen: einfache Sätze, keine langen Erklärungen mitten im Anfall.
- Beim Ausatmen helfen: Atme selbst langsam vor, die andere Person kann sich daran orientieren.
- Keine Vorwürfe: Sätze wie "reiß dich zusammen" oder "das bildest du dir ein" machen es schlimmer.
- Danach unterstützen: In Ruhe über ärztliche Abklärung und Behandlung sprechen. Eine Panikstörung lässt sich gut behandeln, niemand muss das allein aushalten.
Panikattacken loswerden: was dauerhaft hilft
Soforthilfe nimmt die Spitze, aber gegen wiederkehrende Panikattacken und andere Angststörungen braucht es eine gezielte Behandlung. Als am besten belegt gilt die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernst du, den Teufelskreis aus Körpersymptom, Katastrophengedanke und Vermeidung zu durchbrechen, und du setzt dich schrittweise den gefürchteten Situationen aus, bis die Angst nachlässt. In manchen Fällen kommen Medikamente dazu, etwa bestimmte Antidepressiva. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt, kurzfristige Beruhigungsmittel sind wegen Abhängigkeit keine Dauerlösung.
Der erste Schritt ist immer eine ärztliche Abklärung. Herzrasen und Atemnot können harmlos aus Panik entstehen, sollten aber einmal fachlich eingeordnet werden. Danach lässt sich die passende Behandlung planen.
Was die Krankenkasse zahlt: die App auf Rezept
Seit einigen Jahren gibt es digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA. Das sind geprüfte Apps, die ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet werden und die die gesetzliche Krankenkasse nach § 33a SGB V voll bezahlt. Für Angst und Panik sind solche Programme im offiziellen DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unter diga.bfarm.de gelistet.
Eine dieser Anwendungen ist Invirto, ein digitales Therapieprogramm gegen Angst- und Panikstörungen. Es leitet dich mit Verhaltenstherapie, Wissen und Übungen durch die Behandlung und unterstützt genau das, was gegen Panikattacken dauerhaft hilft.
Die Kasse übernimmt die Kosten voll, für dich fällt nichts an. Du bekommst die App über zwei Wege: entweder lässt du sie dir von Arzt oder Psychotherapeut verordnen, oder du beantragst sie direkt bei deiner Krankenkasse mit der passenden Diagnose.
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Wichtig und ehrlich: Eine App ist kein Heilversprechen und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Sie ist ergänzende Selbsthilfe und Therapieunterstützung. Bei akuter Not, Gedanken, sich etwas anzutun, oder schweren Verläufen wende dich direkt an ärztliche Hilfe oder in einer Krise an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 beziehungsweise im Notfall an die 112.
Panikattacken behandeln: die Schritte
- Akut die Welle überstehen. Lang ausatmen, erden, sich sagen, dass es vorbeigeht.
- Ärztlich abklären lassen. Hausärztin oder Hausarzt schließt körperliche Ursachen aus und ordnet die Beschwerden ein.
- Behandlung planen. Verhaltenstherapie ist am besten belegt, bei Bedarf ergänzt durch Medikamente nach ärztlicher Entscheidung.
- App auf Rezept nutzen. Eine DiGA gegen Angst wie Invirto per Verordnung oder direkt über die Kasse holen, die Kasse zahlt sie voll.
- Dranbleiben. Vermeidung abbauen und Übungen wiederholen, damit die Angst vor der nächsten Attacke schrumpft.
Panikattacken fühlen sich bedrohlich an, sind aber gut behandelbar. Für den Moment gibt es klare Soforthilfe, und für die dauerhafte Besserung gibt es Verhaltenstherapie und geprüfte Apps, die die Kasse bei Verordnung ohne Zuzahlung übernimmt. Du musst also weder alles allein stemmen noch dafür bezahlen. Der wichtigste Schritt bleibt die einmalige ärztliche Abklärung.
Häufige Fragen
Was hilft sofort gegen eine Panikattacke?
Beruhige den Körper und zeig dem Kopf, dass keine echte Gefahr besteht. Atme langsam aus, länger als du einatmest, zum Beispiel 4 Sekunden ein und 6 bis 8 Sekunden aus. Stell die Füße fest auf den Boden, benenne fünf Dinge, die du siehst, und sag dir, dass die Attacke unangenehm, aber nicht gefährlich ist. Meist ist der Höhepunkt nach wenigen Minuten überschritten.
Was kann ich als Partner bei einer Panikattacke tun?
Bleib ruhig und da, dräng nicht. Sprich langsam in kurzen Sätzen, mach keine Vorwürfe und sag nicht, die Person solle sich zusammenreißen. Hilf beim ruhigen Ausatmen, indem du selbst langsam voratmest. Nach der Attacke ist es sinnvoll, gemeinsam über eine ärztliche Abklärung und Behandlung zu sprechen, denn eine Panikstörung lässt sich gut behandeln.
Zahlt die Krankenkasse eine App gegen Panikattacken?
Ja. Es gibt digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gegen Angst und Panik, die im offiziellen BfArM-Verzeichnis gelistet sind. Sie werden auf Rezept verordnet, und die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten nach § 33a SGB V voll. Alternativ beantragst du die App direkt bei deiner Kasse mit der passenden Diagnose. Sie ersetzt keine ärztliche Abklärung, unterstützt aber die Behandlung. Mehr dazu bei Invirto.
Quellen
- § 33a SGB V: Digitale Gesundheitsanwendungen
- BfArM: DiGA-Verzeichnis (Eintrag Invirto)
- BfArM: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)